Facebooks Suchmaschine gelingt es nicht, Marktanteile zu gewinnen

Wenn Sie etwas im Internet suchen wollen, seien es Bilder, Informationen, Videos oder irgendetwas anderes, fällt Ihnen wahrscheinlich zuerst Google ein. Die Google-Suchmaschine ist inzwischen ein so wichtiger Teil des Internets, dass es Leute gibt, denen kaum bekannt ist, dass es auch andere Suchmaschinen gibt. Mittlerweile gehört es sogar zum Wortschatz: wenn Sie jemandem sagen, er soll Informationen über irgendetwas suchen, dann ist es ganz normal zu sagen, er solle es „googeln“.

Facebook hat zwar schon seit einiger Zeit seine eigene Suchmaschine entwickelt, aber bisher würde sicherlich niemand, der irgendetwas sucht, davon sprechen, er würde es „facebooken“.

Google- und Facebook-Suche im Vergleich

Die Google-Suchmaschine ist eine unglaublich komplizierte und erstaunlich flexible Technologie. Man muss sich vor Augen führen, dass im Durchschnitt in jeder Sekunde des Tages 40.000 Google-Suchen stattfinden. Dass Google solche absurden Mengen überhaupt bewältigen kann, ist kaum zu glauben. Um sich einmal die Größenordnungen klarzumachen, das sind etwa 3,5 Milliarden Suchvorgänge jeden Tag oder 1,2 Billionen Suchvorgänge jedes Jahr. Man darf davon ausgehen, dass es sich um eine Mammutaufgabe handelt, wenn man versuchen will, Google Konkurrenz zu machen, und an dieser Aufgabe beißt sich selbst Facebook die Zähne aus.

Der legendäre CEO von Facebook, Mark Zuckerberg, hat jedoch schnell versichert, dass Facebooks Suchmaschine es keineswegs mit Google aufnehmen oder ihm die Spitzenposition streitig machen wolle. Diese Aussage stammt von 2013, als die Suchmaschine erstmals angekündigt wurde. Er erklärte, die Facebook-Suchmaschine sei eine gänzlich andere Suchmaschine und würde etwas ganz anderes anbieten als das, was wir von Google gewohnt sind.

Die Facebook-Suchmaschine, auch Facebook Graph Search genannt, war dafür vorgesehen, nur innerhalb des Facebook-Netzwerks und der darin gesammelten Informationen Ergebnisse zu finden. Damit hatte die Suchmaschine nur eine begrenzte Reichweite, je nachdem, wonach der Benutzer suchte, und zu welchem Zweck. Um diese Beschränkung auszugleichen, wurde Graph Search ursprünglich mit der Suchmaschine Microsoft Bing integriert, die Ergebnisse von außerhalb von Facebook einbrachte. Diese Bing-Partnerschaft wurde 2014 stillschweigend fallen gelassen, und Facebook machte allein weiter.

Der zeitliche Ablauf

Zum Zeitpunkt der Ankündigung wurde Facebook Graph Search mit viel Pomp und Spannung zur Kenntnis genommen. Zuckerberg hatte eine Pressekonferenz einberufen, um ein bisher unbekanntes neues Projekt anzukündigen, und technisch interessierte Gruppen hatten sich bereits intensiv mit Vorhersagen beschäftigt, worum es sich handeln könnte.

Die Suchmaschine wurde zunächst für eine begrenzte Anzahl von Nutzern freigeschaltet, die als Betatester für die Software eingesetzt wurden. Dieser erste Test war erfolgreich, sodass Facebook Graph Search im Juli 2013 allen Benutzern der englischen Facebook-Version zugänglich gemacht wurde.

Im Oktober 2013 gab es große Fortschritte bei der Suchmaschine, die Suchergebnisse wurden auf Facebook-Kommentare und Beiträge ausgedehnt, was sich als gewaltige Aufgabe erwies. Zu diesem Zeitpunkt hieß es, eine Datenbank mit mehr als 700 Terabyte Informationen werde weltweit zugänglich gemacht.

Im Dezember 2014 wurde die Partnerschaft zwischen Facebook Graph Search und Bing offiziell fallengelassen. Die Gründe hierfür wurden nicht genannt. Durch das Fehlen von Bing wurde die Vielfalt der Informationen, die die Suchmaschine zurückgeben konnte, stark beeinträchtigt.

Facebook Graph Search ist im Jahr 2017 für Facebook-Anwender immer noch verfügbar, aber nur wenige scheinen von seiner Existenz zu wissen, denn sie wurde nicht in großem Maßstab bekannt gemacht.

Facebook Graph Search

Datenschutzsorgen

Zu den wichtigsten Bedenken hinsichtlich der Software für Facebook Graph Search gehört die Frage, wie sie sich auf die Privatsphäre der Facebook-Anwender auswirkt. Da die Ergebnisse den gesammelten Daten entnommen wurden, waren viele der Ansicht, dies sei ein drastischer Eingriff in die etablierten Facebook-Datenschutzrichtlinien.

Seitens Facebook wurde jedoch betont, dass alle von Facebook Graph Search gelieferten Suchergebnisse strikt innerhalb der Datenschutzeinstellungen der Anwender erzeugt werden würden. Jedes Facebook-Benutzerkonto, dessen Inhalte für die öffentliche Anzeige freigeschaltet waren, konnte auch in den Suchergebnissen angezeigt werden, und Benutzer, die ihre Konten auf „öffentlich“ gesetzt hatten, würden ebenfalls in den Suchergebnissen auftauchen. Weiterhin wurde betont, dass die Suchergebnisse zunächst aus den direkten Freunden des Anwenders entnommen werden würden, was bedeutete, dass die Ergebnisse vorwiegend von Menschen stammten, die der Benutzer bereits kannte oder mit denen er in Kontakt stand.

Suchintegrität und Werbung

Weitere Bedenken gingen in die Richtung, dass die Suchergebnisse durch Facebooks Vorgehensweise bei der Werbung verfälscht werden würden. Da zahlende Werbetreibende ihre Beiträge auf Benutzerseiten platzieren können, wurde spekuliert, dass die Suchergebnisse darauf abgestimmt werden würden, zahlende Kunden als erstes zu präsentieren.
Facebook entgegnete darauf, dass diese Art von Werbung nicht auf Facebook Graph Search ausgedehnt würde, und dass die Ergebnisse der Suchmaschine durch bezahlte Werbung in keiner Weise beeinflusst würden.

Für den Augenblick kann man jedenfalls feststellen, dass Facebooks Suchmaschine wenig oder gar keine Konkurrenz zu Google darstellt und dass es sich vielleicht um eine der weniger erfolgreichen Unternehmungen des Giganten im Bereich soziale Medien handelt. Aber Zuckerberg ist bekannt dafür, im Internet immer wieder Wellen zu schlagen, und es ist gut möglich, dass er beschließt, Facebook Graph Search zukünftig neu zu erfinden und damit durchzustarten.

Andreas Rabe

IT Spezialist, Blogger und Hesse. Ich habe keine Lösung, aber ich bewundere das Problem. Wenn bereits der Ansatz falsch ist, so führt strenge Logik unweigerlich zum falschen Ergebnis. Nur Unlogik gibt Dir jetzt noch die Chance, wenigstens zufällig richtig zu liegen.

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